Ende des Baubooms – jetzt Weichen richtig stellen

Baubetriebe melden starken Auftragsrückgang und fordern öffentliche Nachfrage nach Bauleistungen zu stabilisieren

Für die Bauwirtschaft ziehen dunkle Wolken am Horizont auf. Durch die Corona-Krise sind bereits die Auftragseingänge stark eingebrochen und für die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte rechnen die Betriebe mit spürbaren Folgen.
„Die Bauunternehmen waren mit vollen Auftragsbüchern in das Jahr gestartet und bei mehrmonatigen Auftragsüberhängen konnten sie bisher die bestehenden Aufträge abarbeiten“, sagt Georg Schareck, Hauptgeschäftsführer von Die Bauwirtschaft im Norden. Jetzt beginne sich allerdings die schwierige gesamtwirtschaftliche Entwicklung bemerkbar zu machen und man rechne für die Konjunkturentwicklung in allen Baubereichen mit spürbaren Folgen, so die Einschätzung. Vor allem wegen der unsicheren Lage auf dem Arbeitsmarkt werden Investitionen im privaten Bausektor zurückgestellt, im gewerblichen Bereich kommt es durch Verluste und Unsicherheiten ebenfalls zu Aufschiebungen von Bauprojekten und im öffentlichen Bereichen sind die Einnahmen für Planung und Aufrechterhaltung von Bauvorhaben zurückgegangen.

Die Baubetriebe haben in einer aktuellen Umfrage von Die Bauwirtschaft im Norden ihre Betriebslage bewertet. Umsatzrückgänge verzeichnen in Schleswig-Holstein 37 % der Betriebe (deutschlandweit 32 %) und Stornierungen von Aufträgen 41 % der Betriebe in Schleswig-Holstein (deutschlandweit 38 %). 49 % der befragten schleswig-holsteinischen Betriebe (deutschlandweit 56 %) sehen die Auftragslage nachhaltig gefährdet. Die Arbeiten auf den Baustellen seien durch entsprechende Hygienemaßnahmen zwar wenig
gestört (Schleswig-Holstein 16 %, deutschlandweit 10 %), aber der Rückgang der Bauinvestitionen machen den Firmen zu schaffen.

„Es war wichtig und richtig, dass unsere Branche als systemrelevant eingestuft wurde und weiterarbeiten konnte. Sie kann aus unserer Sicht viel dazu beitragen, dass der Neustart der Wirtschaft gelingt. Denn wir bauen hierfür die Infrastruktur, den Wohnraum und Betriebsstätten. Damit das so weitergeht, hat die Bauwirtschaft einige verantwortungsvolle Vorschläge an die Politik ausgearbeitet“, so Schareck. Die Realisierung von öffentlichen Infrastruktur- und Baumaßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen muss gewährleistet, langfristig sichergestellt und verstetigt werden, so die erste Forderung. „Das stärkt die Bauwirtschaft als Konjunkturmotor und hat gesamtwirtschaftliche Anreizfunktionen“, erklärt Schareck. In Krisenzeiten habe das einen psychologischen Effekt auf die Wirtschaftsinvestitionen und bringe Sicherheit in
den Markt. Die Konjunkturprogramme müssten so angelegt werden, dass die Rahmenbedingungen verbessert und wichtige Zukunftsaufgaben vorangebracht würden. Nach wie vor sei der Modernisierungsbedarf hoch; die digitale Infrastruktur müsse ausgebaut werden und es fehle weiterhin an Wohnraum.

Fördererprogramme. „Der Bauwirtschaft ist eine Klassifizierung nach Betriebsgrößen nicht zuträglich, alle Betriebe bräuchten annährend gleiche Bedingungen, um Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der gleichen Branche bereits von Grund auf zu verhindern“, erklärt Schareck. Im schleswig-holsteinischen Bauhauptgewerbes sind überwiegend kleine und mittlere Betriebe tätig. Laut Statistikamt Nord stellen die Kleinbetriebe (weniger als zehn tätige Personen) 73 Prozent aller Betriebe, der Anteil größerer Betriebe mit zehn bis 99 tätige Personen liegt bei 26 Prozent und der Anteil der Großbetriebe (100 und mehr tätige Personen) bei einem Prozent.
Mit Blick auf die Wettbewerbsbedingungen befürchtet die Bauwirtschaft auch Wettbewerbsverzerrungen. „Fördergelder müssen wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden und die Zukunftsfähigkeit des Leistungsempfängers im Blick haben, um zu verhindern, dass Betriebe mit staatlichen Mitteln einen Preiswettkampf betreiben“, sagt Schareck. Denn wenn Betriebe, die bereits vor der Corona-Krise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren, gefördert würden, könnten diese mit staatlicher Hilfe einen künstlichen Wettbewerb schaffen, der gut wirtschaftende, vorsorgende Betriebe in Bedrängnis bringen könnte. Daher der Ruf aus der Bauwirtschaft nach zielgenaueren Förderungen, die unerwünschte
Mitnahmeeffekte verhindern.


Die Bauwirtschaft appelliert an die Politik: Die Bauwirtschaft beim Neustart der Wirtschaft nicht vergessen! Investitionen sind das A und O, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bekommen und nicht kurzfristige Konsumausgaben. Investitionen in Infrastruktur, in Digitalisierung, in Bildungseinrichtungen und Wohnraum haben enorme Auswirkungen auf
die Binnenkonjunktur. Daher braucht es die Verstetigung von öffentlichen Aufträgen, die sachdienliche Ausgestaltung der Programme nach Betriebsstrukturen und die zielgenaue Vergabe von Förderungen nach wirtschaftsrelevanten Kriterien.

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